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Interview mit Philipp Hahn und Miriam Appel

Aktualisiert: Mai 12


„Disruptive Lösungen sind das Ergebnis nackter, knallharter Arbeit und jeder menge Passion“

1. APRIL 2020 / MIRIAM APPEL


Ein Gespräch über disruptive Veränderungen, Vorbilder und Visionen

Philipp Hahn ist einer der gefragtesten Strategie- und Transformations-Pioniere weltweit. Mit seinen disruptiven Lösungsansätzen begeistert er regelmäßig seine ZuhörerInnen und bringt internationale Top-Konzerne sicher durch die Transformation. Wir haben mit ihm über Disruption, erfolgreiches Change-Management und die Zukunft gesprochen.

Herr Hahn, Sie arbeiten mit Unternehmen an disruptiven Lösungsansätzen.  Wie definieren Sie „Disruption“ in einem Satz?

Disruptionen zerschlagen Etabliertes durch radikale Neugestaltung der fundamentalen Spielregeln, Produkte, Leistungen, Umgangsweisen,… you name it.

Was bedeutet Disruption für die Unternehmenspraxis, welche Tipps geben Sie Unternehmen in Change-Prozessen an die Hand?

Disruptive Lösungen sind das Ergebnis nackter, knallharter Arbeit und jeder menge Passion. Sie basieren auf einer mutigen Unternehmenskultur, wo Entscheidungen mithilfe von Zahlen, Daten und Fakten getroffen werden. Befindlichkeiten, wie Sie in den (noch satten) europäischen Konzernen an der Tagesordnung sind, haben keinen Platz darin.

Wenn eine Firma etwas „verändern“ möchte, ist es ratsam in Sachen Veränderung Erfahrung zu haben. Eher selten ist das Wissen intern vorhanden, dann auch mal auf „unterster“ Ebene. Meist jedoch, wenn ein Unternehmen etwas verändern möchte, empfehle ich Hilfe von außen zu holen. Zum einen, um den eigenen Horizont zu erweitern und zum anderen, um jemanden zu haben, der einem den nötigen Tritt in den Hintern gibt. Denn die Kultur, das kollektive Verhalten des Unternehmens hat schließlich dazu geführt, dass das Unternehmen sich nicht schnell genug angepasst hat.

Wen sehen Sie im Driver-Seat bei den Unternehmen?

Bei den meisten Unternehmen trifft das Management die Entscheidungen, und das meist zugunsten der eigenen Position. Oft bemerken sie selbst nicht, wie offensichtlich ihr selbstschützendes Verhalten ist, denn die eigene, bereits abgestumpfte Mannschaft, traut sich nichts mehr zu sagen, da sie sonst nicht mehr ins kollektive, angepasste Verhalten passen würde. Das ist das Gegenteil von Kundenorientierung, zumal die meisten Top Manager über viele Jahre keine Interaktion mit Kunden hatten und sie Probleme aus der Basis nur anhand der PowerPoint Präsentation an ihren Flatscreens kennen, wenn mal wieder ein KPI in den roten Bereich rutscht. Dank der gewachsenen Historie merken die Firmen momentan wenig davon.

Viele Firmen sind einen großen Schritt weiter. Diese haben sich einem Purpose, also einer nachhaltigen Vision verpflichtet. Dieser „Nordstern“ wird die Kompassnadel für alle unternehmerischen Tätigkeiten. Im Idealfall werden dann noch einzelne Funktionen wie Führungskräfte aus den eigenen Reihen über eine Projektdauer gewählt. Also etwa wie ein Klassensprecher. Sollte die Führungskraft weder dem Purpose, der Mannschaft und somit nicht dem Kunden dienen wird er einfach abgewählt. So etwas sind übrigens Bestandteile einer Schwarmorganisation, auch da findet Ego wenig Platz. Stell Dir mal vor, morgen wäre in Deinem Unternehmen Wahltag…

Was macht einen starken Disruptoren aus? Gibt es ein Unternehmen, welches wir uns zum Vorbild nehmen sollten?

Da gibt es jede Menge. Selbstredend die üblichen Verdächtigen wie Google, Facebook, Virgin oder Tesla, die mit ihrem Cybertruck gerade die gesamte Pick-Up Branche auf den Kopf gestellt haben. Nach der Modelankündigung sind nun fast halb so viel Fahrzeuge verkauft wie Ford mit der Konkurrenzlinie, der „F-Serie“ im gesamten Jahr veräussert. Während die Presse nach dem Metallkugel Test über das PR-Debakel sinniert, verewigt Tesla bereits diesen auf einem T-Shirt, welches exakt den Schaden abbildet und kurbelt mit dem Fehler den eigenen Merchandising Profit an. Wir können aber auch von Netflix lernen, vor 10 Jahren nach etlichen Fehlzündungen keine ernstzunehmende Bedrohung, drücken sie heute Fernsehsender an die Wand. Walmart gestaltet die Innovation im klassischen Einzelhandel und ist Vorreiter in Digitalisierung während Amazon den eRetail dominiert. Airbnb macht dem Tourismus zu schaffen. Die Liste wird stetig länger…

Ein Blick in die Zukunft: Ist Disruption vorhersehbar und damit für Unternehmen konkret planbar? Oder wird das immer eine Unbekannte bleiben, auf die kurzfristig reagiert werden muss.

Sie kommt meist unerwartet und erschüttert gesamte Branchen bis ins Mark. Firmen die sich in der Vorreiterrolle befinden oder schon lange am Markt gutes Geld verdienen sollten besonders achtsam sein. Ein Beispiel: Die letzte große Entwicklung die aus der etablierten Bankenbranche hervorging war der Geldautomat. Disruptoren von außen wie die Finance-Cloud, Mobile-Pay etc. sind erst der Anfang.

Ihre Vorträge sind bekannt dafür, „unbequeme Wahrheiten“ zu thematisieren. Geben Sie uns eine Kostprobe?

Mir wird oft zugetragen dass meine Live Auftritte unvergleichlich sind. Ich achte darauf, dass meine Vorträge aktuell sind und nicht den anderen gleichen. Ein Maßanzug sozusagen, daher erhöhe ich nun mal die Spannung und das „Fear of Loss“ indem ich noch nichts verrate außer, dass es sehr explosiv und aktuell wird (zwinkert).

Vielen Dank für das Gespräch!



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